Taijiquan Qigong Geschichte & Wirkung

Geschichte des Taijiquan

Mitte des 17. Jahrhunderts tauchte im Dorf Chenjiagou ein Boxstil auf, der heute als der Chen-Stil des Taijiquan bekannt ist. Der Überlieferung der Familie Chen zufolge wurde der Stil von General Chen Wangting aus seinen bestehenden Kenntnissen der Kampfkünste entwickelt.




Seit dieser Zeit wurde der Stil zunächst als Familiengeheimnis der Familie Chen weiterentwickelt und tradiert. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde es erstmals an einen Außenstehenden weitergegeben. Chen Changxing akzeptierte Yang Luchan (1799–1872) als Schüler im inneren Kreis der Familie. Yang Luchan wurde zum Begründer des Yang-Stils. Etwas später unterrichtete Chen Qingping ebenfalls außerhalb der Familie Wu Yuxiang, den Begründer des Wu/Hao-Stils.



So wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Grundlage für die sogenannten fünf Familienstile gelegt, die jeweils innerhalb einer Familie weiterentwickelt und gepflegt wurden. Die fünf Familienstile sind: Chen Stil, Yang Stil, Wu/Hao Stil, Wu Stil und Sun Stil.

In der Volksrepublik China wurden im Jahre 1956 die verschiedenen chinesischen Kampfkünste im modernen Wushu zusammengeführt. Dazu wurde die auf dem Yang-Stil beruhende Pekingform eingeführt und zum "offiziellen" Taijiquan erhoben, das in Wettkämpfen verwendet werden durfte. Die traditionellen Formen wurden unterdrückt und konnten nur im privaten Kreis weiterverbreitet werden. Insbesondere während der Kulturrevolution, sind viele der Taijiquan-Meister aus China geflohen und haben begonnen, ihre Kampfkunst außerhalb von China zu verbreiten. Dadurch wurde das Taijiquan auch im Westen bekannt.

Älteste schriftliche Spuren von derartigen Übungen stammen aus dem Huang die Neijing (Der Klassiker des Gelben Kaisers), aus der Zeit der Han Dynastie um 200 v.Ch. Etwa aus derselben Zeit stammt ein Seidentuch aus der Ausgrabung bei Mawangdui mit Abbildungen solcher Übungen. Der Name Qigong wurde jedoch erst in den 50er Jahren geprägt. Davor war es vor allem unter dem Begriff Yangsheng bekannt. Heute ist vor allem das medizinische, also gesundheitsfördernde Qigong, unter dem Begriff Yangsheng Gong bekannt.

Bedeutung von Taijiquan

Tàijí: "Das sehr große Äußerste" oder auch "Die großen Gegensätze" ist einer der wichtigsten Begriffe der chinesischen Philosophie und bezeichnet das höchste Prinzip des Kosmos. Eine allgemeine Definition ist schwierig, da der Begriff sehr unterschiedlich verwendet und in sich fließend ist. Das Zeichen tai bedeutet sehr groß, das Zeichen ji bezeichnet ursprünglich den Gipfel eines Berges; auch den Firstbalken eines Satteldaches, als Adjektiv oder Adverb heißt es "das äußerste". Daraus entwickelte sich die Bedeutung des Hauptpunktes, der Achse, des Zentrums. Im alten Chinesisch wird auch der Polarstern, gleichsam als Angelpunkt des Himmels, als Taijí bezeichnet.


Quan bedeutet "Faust". im Zusammenhang mit Kampftechniken wird es benutzt, wenn mit leerer Hand, also ohne Waffen gekämpft wird. Eine sinngemäße Übersetzung von "Taijiquan" wäre daher: "Kämpfen nach dem höchsten Prinzip".

Was versteht man unter Taijiquan und welche gesundheitsfördernden Aspekte sind nachgewiesen?

Taijiquan ist, so wie Qigong, ein Teil der aktiven Gesundheitsübungen der Traditionellen Chinesischen Medizin. Durchgeführt wird es heute in Europa vor allem unter dem Aspekt "Meditation in Bewegung" und Gesundheitsförderung, oder  als "Kampf ohne Gegner", der vor allem in Asien auch in Wettkämpfen verbreitet ist. 

Wie wird Taijiquan durchgeführt?

Taijiquan wird in der so genannten Form unterrichtet. Die Form ist eine festgelegte Sequenz von Techniken, eine Art Choreographie von einem Kampf ohne Gegner. Alle Bewegungen werden im Gehen und Stehen, langsam gleichmäßig und fließend, wie in Zeitlupe praktiziert. Zu Beginn der Unterrichtsstunde werden einige Qigong Übungen zum Aufwärmen durchgeführt. Danach wird ein Teil der Form im Detail demonstriert, erklärt und zusammen in der Gruppe geübt.

Was bedeutet Qigong und wie wird es ausgesprochen?

Qigong (gesprochen Tschi Gung)

Qi steht in der chinesischen Philosophie und Medizin sowohl für die bewegende als auch für die vitale Kraft des Körpers, aber auch der gesamten Welt. In der chinesischen Sprache hat es die Bedeutung von Atem, Energie und Fluidum. Der Begriff ist so vielschichtig und mehrdeutig, dass er unübersetzt bleibt, um die Bedeutung nicht einzuschränken.

Gong als chinesischer Begriff bedeutet einerseits „Arbeit“, aber auch „Fähigkeit“ oder „Können“. Somit kann man Qigong übersetzen als „stete Arbeit am Qi“ oder auch als „Fähigkeit, mit Qi umzugehen“. 

Wie werden Qigong Übungen durchgeführt?

Die meisten Übungen werden im Stehen durchgeführt, es gibt aber auch Varianten im Sitzen, falls jemand nicht stehen kann. Grundstellungen für Anfänger beinhalten: Stand mit geschlossenen Füßen, schulterbreit oder doppelt schulterbreit, und die so genannte Bogenschritt-Stellung. In diesen Stellungen werden Konzentrationsübungen mit Visualisierungen  von Atem und Qi Bewegung durchgeführt, die gleichzeitig  mit Armbewegungen und Körperbewegungen kombiniert werden.

Was versteht man unter Qigong?

Qigong ist ein komplexes System von chinesischen Gesundheitsübungen. In China sind ca. 100 verschiedene Systeme von Qigong Übungen offiziell anerkannt. Qigong Übungen können viele Aspekte aufweisen. Neben Meditation und Konzentration werden Kraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Koordination verbessert. Alle Übungen arbeiten mit geistigen und körperlichen Techniken gleichzeitig. 

Besonderheiten von Qigong

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) sagt, „dort, wo sich Qi sammelt, ist Leben, und dort, wo sich Qi zerstreut, ist Tod“. Qi folgt der Aufmerksamkeit und Blut folgt dem Qi. Wenn wir mit unserer Aufmerksamkeit durch unseren Körper gehen, dann folgt das Qi und fließt frei durch alle Leitbahnen. Alle Übungen im medizinischen Qigong werden unter dem Aspekt der TCM durchgeführt, die Leitbahnen (Meridiane) im Körper werden gedehnt, geöffnet und geschlossen: somit kann Qi fließen.